Ich habe mir oft die Frage gestellt, warum ein Fischkopp wie ich, sich so sehr für die japanische Art Geschichten zu erzählen begeistern kann. Geprägt durch die beiden fürchterlichen Atombombenexplosionen in Japan entstanden schon recht früh Filme, Comics und Bücher über gigantische Monster, die den kleinen Inselstaat bedrohten. Gegen diese Bedrohungen mussten Beschützer erfunden werden und damit die Beschützer auch immer wieder was neues zu tun bekamen, wurden neue Bedrohungen erfunden. So ist wohl die Spirale der immer abgedrehter werdenden Ideen und Geschichten aus Japan in Schwung geraten. Aber wieso finde ich an dem überladenen, japanischen Klamauk so einen Geschmack ?
Vorgestern habe ich die Antwort gefunden … 12 Meter ohne Kopf! Ja, wir Friesen sind eigentlich die Japaner von Deutschland. Schon vor 600 Jahren sind wir Friesen ganz frei nach dem Motto „Freies Friesland“ über den blanken Hans gefahren, haben uns gegen die Gefahr von Außen , der Hanse, erfolgreich zur wehr gesetzt und uns nur durch heisses Blei im Ruder und Verrat aus den eigenen Reihen aufhalten lassen, um dann trotzdem noch 12 Meter mit abgeschlagenem Kopf die Freiheit unserer Mannschaft erkämpfend vor verblüfften Hamburgern zu stolzieren. Das sind Geschichten, die ich nachvollziehen kann, die sind überladen, da fühle ich mich zu hause, genau wie in Japan.

Und so war es auch sofort bei Bayonetta. Unser erstes Zusammentreffen auf der Gamescom hinter verschlossenen Türen hatte mich schon ein wenig erregt – ich glaube, ich sagte in unserem Gamescom-Video so etwas wie „Bayonetta erregt mich!“.
Riesig war meine Freude, als Bayonetta plötzlich und ganz unerwartet fast einen Monat vor angekündigtem Release auf dem Markt war. Ich habe keine Ahnung, was da bei SEGA passiert ist und unser Kontaktmann bei SEGA hat sich aus unerfindlichen Gründen dazu entschieden nicht mehr mit uns zu sprechen. Deshalb bleibt das wohl vorläufig ein Geheimnis, das zu lüften sich eigentlich auch nicht lohnt.
Nach dem wirklich bedauerlichen Dreamcast Fiasko war Sega’s Schlagseite bis heute nicht zu übersehen. Keine eigene Hardwareplattform mehr, schwächelnder Sonic und teilweise noch schwächere andere Titel kratzten stark am legendären Ruf von Sega.
Irgendwann 2006 begann sich das Rad wieder in Richtung Sega zu drehen, als bei einer Vorstandssitzung bei Capcom entschieden wurde die Clover Studios zu schließen. Die Clover Studios waren Capcoms Innovations- und Ideenschmiede, die weltweit ihres gleichen suchte. Okami, Viewtiful Joe und God Hand sind sehr starke Referrenzen, ob man sie mag oder nicht sei mal dahingestellt, aber es waren wichtige, einzigartige Titel.
Plötzlich waren einige, sehr kreative Köpfe freigesetzt, die nicht irgendwo im großen Capcom Mutterkonzern verschluckt werden wollten. Sie schlossen sich zusammen, holten noch mehr kluge Köpfe dazu und gründeten mit einigen Umwegen Platinumgames. Und plötzlich arbeiteten die federführenden Querdenker hinter Devil May Cry, Resident Evil, Killer 7, Okami, Viewtiful Joe und einigen anderen bemerkenswerten Titeln unter einem Dach und man schloss einen Vertrag über vier Spiele mit Sega ab.
Mad World war der erste Titel, der uns zeigte, was passiert, wenn soviel Kreativität zusammenarbeitet und jetzt steht der nächste Meilenstein vor der Tür und trägt eine Brille.

Ohne jetzt den großen Spannungsbogen vorweg zu nehmen und Euch die Freude am Weiterlesen zu vermiesen (was ich vermutlich durch meine viel zu langen, selbstverliebten Sätze und Formulierungen eh schon längst geschafft habe) … bis letzte Woche hatte ich eine Liste meiner Top 5 Spiele diesen Jahres fertig:
1.Uncharted 2
2.Batman Arkham Asylum
3.Borderlands
4.Assassin’s Creed 2
5.Resident Evil 5
Und dachte, dass so kurz vor Weihnachten nichts mehr daran rütteln könnte. Pustekuchen (Sagt man das überhaupt noch ?) Sega-sei-Dank und Sorry-Capcom, die Liste verschiebt sich komplett, Resident Evil 5 rutscht von der Top 5 Weltenplatte ins Nichts und Bayonetta räkelt sich hauteng auf meiner neuen Nummer 1.
„Hat der Herr B das Spiel denn überhaupt gespielt ?“, sollten sich eigentlich einige von Euch mittlerweile Fragen, weil viel über das eigentliche Spiel habe ich ja bislang nicht geschrieben – bisher. Da kontere ich vorläufig mit einer Gegenfrage … „Liest denn überhaupt jemand so lange, zusammenhängende Texte auf einer Internetseite ?“ und überprüfe das mit einem kleinen, versteckten Gewinnspiel. Zu gewinnen gibt es Bayonetta für die Xbox 360 und dafür müsst Ihr Euch einfach nur mit Eurer richtigen Email Adresse bei uns registrieren und einen Kommentar hinterlassen mit einer kurzen Begründung, warum Ihr gerne so lange, zusammenhängende Texte im Internet lest , ohne aber dabei zu verraten, dass es in diesem Text ein Gewinnspiel gibt. Alles klar ? Solltet Ihr schon registriert sein, sorgt einfach dafür, dass Ihr auch mit der richtigen, also aktuellen E-Mail registriert seid.

Zurück zur berechtigten Frage. Ja, ich habe Bayonetta gespielt und jede einzelne Sekunde genossen und beneide mittlerweile jeden, der es noch nicht gespielt hat.
Bayonetta ist das geworden, was ich mir von Devil May Cry 4 erhofft habe. Ein NextGen Devil May Cry 3 mit einer ordentlichen Prise Devil May Cry 1 und einer deftigen Innovationssoße oben drauf mit Erdbeeren, Pfeffer und Schlagsahne.
Bayonetta bietet für faule Videospieler wie mich einen Super Duper (Super Duper sagt wirklich kein Mensch mehr oder ?) Easy Modus, bei dem man eigentlich nur noch eine Taste drücken muss. So habe ich Bayonetta gespielt und trotzdem einen Mörderspaß gehabt. Großartig, ein Idiotenmodus für Idioten wie mich.
Und wie kann es Spaß machen, wenn man nur durch Buttonmashing der einfachsten und übelsten Sorte sich durchs ganze Spiel mogelt ? Ganz einfach, Bayonetta ist so überladen und voll. Non-Stop-Action bis die Sinne fast auf Durchzug schalten und eine Reizüberflutungsohnmacht droht. Das Ganze ist eingeschmiegt in eine so unglaublich abgedrehte, japanische Hintergrundgeschichte, dass ich anfänglich Schwierigkeiten hatte der Handlung zu folgen. Sollte mich jetzt jemand dazu zwingen eine Inhaltsangabe zu schreiben, dann müsste ich passen.
Aber trotzdem noch ein nachgezogener Satz zur Steuerung: Natürlich ist niemand gezwungen, den Idiotenmodus zu spielen … natürlich gibt es Bayonetta auch mit einer komplexen Steuerung und vielen spielerischen Herausforderungen.
Und dann ist Bayonetta auch noch voll mit Zitaten aus alten Sega Spielen. Unvergesslich in mein Hirn eingebrannt ist eine Sequenz, wo Bayonetta auf einer Rakete reitet, plötzlich das großartige Space Harrier Theme ertönt und man sich in einem klassischen Space Harrier Gameplay wiederfindet. Natürlich ist auch noch für Out Run Platz … aber das müsst Ihr selber herausfinden!
Tolle Grafik, tolle Steuerung, über 7 Stunden Spielspaß im Idiotenmodus (den hab ich gespielt), fantastisches Setting (wer nicht gerne Engel massakriert ist allerdings fehl am Platz) und auf den Punkt gebracht.
In meinen Augen ist Bayonetta mit Abstand das beste Spiel des Jahres. In diesem Sinne … Freies Friesland! Und Bayonetta für alle!


Was für ein Spiel! Bayonetta ist ein audiovisuelles Meisterwerk. Bombastisch, überladen, laut, knallbunt, cool bis in die Fußspitzen und einfach ein überwältigendes japanisches Trash-Epos, das kaum Zeit zum Atmen lässt. Platinum Games haben mit Bayonetta eine von Kreativität berstende Wundertüte entwickelt, die, wenn sie geöffnet wird, unausweichlich des Gamers Sinne betört.
Sei es Bayonetta selbst, die als todbringende, hexende Amazone in ihrem, durch ihr magisches Haar erschaffene sexy Outfit, durch unzählige Kriegsstätten stolzierend, dominiert, Horden an Feinden dezimiert und dabei an einen Catwalk de Gore erinnert. Seien es die unfassbaren Finishing Moves und die Kombo-Vielfalt.
Seien es die wundervoll gestalteten Level, Szenarien und Charaktere die voller absurder Unwahrscheinlichkeiten gefüllt sind und in einer Grafik erstrahlen, die over the top ist und das bei einer konstant bleibenden Framerate.
Seien es die abgefahrenen und zugleich wunderschönen Cutscenes. Sei es die Steuerung, die intuitiv, flüssig, leicht zu erlernbar und nicht überladen ist. Seien es die fantastischen Animationen, der Sound, der unvergleichliche Crossover zwischen japanischen J-Pop Klängen und einer durchaus gewalttätigen Ausrichtung.und der respektvollen Huldigung an die Mütter und Väter der Videospiele: Bayonetta weiß in allen Punkten zu überzeugen.
Auch wenn das Spiel mit knapp 7 Stunden etwa kurz ausgefallen ist, was in Anbetracht eines permanent hohen Blutdruckes aus gesundheitlichen Gründen durchaus legitim ist, die Story äußerst verworren ist, das Wiederspielen fast keinen Sinn macht und manche Szenarien so überladen sind, dass man gerne den Überblick verliert, die Musik so gar nicht mein Fall ist und ich sie ausschalten musste: Bayonetta setzt Maßstäbe und lässt sogar Devil May Cry weit hinter sich.
Für Freunde des Genres ist Bayonetta ein absoluter Pflichtkauf! Alle Anderen sollten zumindest mal reinschnuppern, denn so ein opulentes, audiovisuelles Machwerk, habe ich selten gesehen. Bayonetta zeigt eindeutig, dass in Videospielen alles möglich ist und schöpft aus dem Vollen. Bravo SEGA, bravo Platinum Games. Das ist ein Hit! Wenn auch Bayonetta es nicht schafft meine Nummer 1 dieses Jahres zu werden. Aber dazu kommen wir noch. Haut rein und Brillen sind sexy!
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